Schwindel in Wechseljahren: Wenn sich plötzlich alles dreht

 

Bild dreht sich

Von Kornelia C. Rebel

  • Hier erfährst Du, warum Schwindel in den Wechseljahren neben Hitzewallungen zu den häufigsten Beschwerden zählt.
  • Du lernst, welche Arten von Schwindel und welche Ursachen es gibt.
  • Wir zeigen Dir, wie Du Schwindelgefühle mit natürlichen Methoden lindern kannst.

Wird Dir oft schwarz vor Augen, wenn Du schnell aufstehst? Siehst Du beim Spazierengehen plötzlich Sternchen? Hast Du manchmal das Gefühl, Du schwankst und fällst gleich hin? Fast die Hälfte aller Frauen in den Wechseljahren leidet an Schwindel. Diese plötzlich auftretenden Schwindelgefühle können Dich verunsichern und im schlimmsten Fall zu Stürzen führen. Hier erfährst Du, wie Du Schwindel auf natürliche Weise linderst und wie Du mit Schwindel in den Wechseljahren umgehst.

Schwindel in den Wechseljahren: Woran liegt es?

Schwindelgefühle kommen besonders in den Wechseljahren häufig vor. Vorübergehender Schwindel ist wohl den meisten bekannt: Wenn Du Dich schnell erhebst, kann der Blutdruck im Gehirn vorübergehend stark abfallen (1). Du erlebst den Blutmangel im Gehirn wie eine Fahrt auf der Achterbahn: Du schwankst, Dein Gleichgewichtssinn ist gestört.

Die offizielle Definition von Schwindel besagt, dass die Wahrnehmung des eigenen Körpers oder der Bewegung im Raum unangenehm verzerrt ist.
Wie entsteht Schwindel?

Grafik Innenohr

Um uns im Gleichgewicht zu halten, arbeiten 3 verschiedene Systeme im Körper zusammen (2):

  • Augen
  • Sensoren in Muskeln
  • Gleichgewichtsorgan im Innenohr (Vestibularorgan)

Die Reize von diesen 3 Systemen werden ständig an das Gehirn gesandt, das sie verarbeitet und uns so vor Schwindel bewahrt.

Viele Faktoren können diese komplexe Zusammenarbeit stören und den Gleichgewichtssinn beeinträchtigen. Cupulolithiasis bezeichnet die Ablagerung von sogenannten Gehörsteinchen im Innenohr, eine Ursache für Schwindelgefühle. In der Menopause sind für Schwindelattacken in erster Linie Schwankungen der Hormone verantwortlich.

Schwindelgefühle werden in folgende Kategorien eingeteilt:

  1. Lagerungsschwindel (3): Bei zu schnellem Aufstehen, im Extremfall kann dieser Schwindel Ohnmacht verursachen.
  2. Schwankschwindel (4): Gefühl von Ungleichgewicht, verbunden mit unsicheren Bewegungen und Neigung zu Stürzen.
  3. Drehschwindel (5): Ähnelt dem Gefühl bei zu viel Alkohol: Alles dreht sich.

Grafische Darstellung von Schwindel

Schwindel und Wechseljahre: Östrogen & Co.

Warum Schwindel so viele Frauen in den Wechseljahren betrifft, ist nicht restlos geklärt. Fest steht, dass die weiblichen Sexualhormone den Blutdruck und den gesamten Kreislauf stark beeinflussen (6). Vor allem Östrogen scheint bei den Schwindelgefühlen eine wichtige Rolle zu spielen (7).

Darüber hinaus ist das Vestibularorgan im inneren Ohr mit zahlreichen Rezeptoren für Hormone ausgestattet, unter anderem für Progesteron und Östrogen (8). Deshalb ist es nur logisch, dass Schwankungen bei den Hormonen den Gleichgewichtssinn direkt beeinflussen. Deshalb empfehlen viele Ärzte bei Schwindel in den Wechseljahren Hormonersatztherapie.

Interessanterweise scheint eine Beziehung zwischen Hitzewallungen und Schwindelattacken zu bestehen. Wenn Frauen in der Menopause häufig unter Schweißausbrüchen leiden, machen ihnen auch Schwindelanfälle und Übelkeit verstärkt zu schaffen (9).

Möglicherweise sind auch begleitende Symptome der Wechseljahre für das häufige Auftreten von Schwindel verantwortlich. So begleiten Schwindelgefühle häufig Herzrhythmusstörungen (10). Darüber hinaus ist bekannt, dass Stress und Angstzustände ebenfalls Schwindel auslösen können (11).

Schwindelanfälle in den Wechseljahren unterschätzt?

Die Beziehung zwischen Stress, Angstzuständen, Schwindel und Wechseljahren ist ein bisschen wie die Geschichte von der Henne mit dem Ei:

  • Was kommt zuerst?
  • Löst der Stress durch Hormonschwankungen, Schlafstörungen und Hitzewallungen den Schwindel aus?
  • Oder verstärken die Schwindelgefühle den Stress und die Ängstlichkeit?

Vermutlich trifft beides zu. Beschwerden in den Wechseljahren wie Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen und Haarausfall können enormen Stress verursachen.

Auf keinen Fall solltest Du Dich mit häufigem Schwindel abfinden und denken, dass dies ein unvermeidbares Schicksal ist. Auf jeden Fall solltest Du Dich von einem Arzt untersuchen lassen. Er kann mit einfachen Tests unter anderem herausfinden, ob Dein Vestibularorgan im Innenohr gut funktioniert. Falls Dein Hausarzt damit überfordert ist, lasse Dich zu einem Hals-Nasen-Ohren-Spezialisten überweisen.

Schwindel in den Wechseljahren: Was hilft wirklich?

Schwindelgefühle können Angst machen. Noch größer ist allerdings die Gefahr von Stürzen. Deshalb ist es ratsam, Schwindelanfällen mit folgenden Tipps vorzubeugen.

Entspannen und Stress verringern

Gegen Schwankungen der Hormone hilft zuerst einmal Entspannen. Wenn Du Dein Stresslevel mit Entspannungsübungen verringerst, hast Du bereits viel gewonnen (12). Meditation, autogenes Training oder binaurale Klänge sind Methoden, für die Du im Internet eine Fülle von Angeboten findest.
Den Kreislauf stärken

Ganz wichtig ist bei Kreislaufproblemen, Deinen Kreislauf zu stärken (13). Besonders gut geht das mit Sport: Achte dabei darauf, dass Du wirklich außer Atem kommst. Wenn Du sportliche Aktivität in Deinen Alltag integrieren kannst, profitieren auch Deine Hormonspiegel davon (14). Studien haben gezeigt, dass Bewegung auch die Achse zwischen Hypothalamus und den Nebennieren stärkt (15). Die Nebennieren spielen eine wichtige Rolle bei der Umstellung der Hormone in der Menopause (16).

Kalte Duschen und Saunagänge können ebenfalls viel dazu beitragen, den Kreislauf zu stärken. Kälte und der schnelle Wechsel von Kälte und Wärme wirken wie Sport für die Blutgefäße. Sie ziehen sich bei kalten Temperaturen zusammen und weiten sich bei Wärme. Das fördert die Durchblutung in allen Körpergeweben und damit gleichzeitig die Versorgung mit Nährstoffen.

Nährstoffe und Flüssigkeit auffüllen

In den Wechseljahren muss der Stoffwechsel eine Höchstleistung vollbringen. Dafür braucht der Körper eine gute Versorgung mit Nährstoffen. Hitzewallungen können durch übermäßiges Schwitzen dazu führen, dass zahlreiche Mineralstoffe verloren gehen. Außerdem hat sich gezeigt, dass beispielsweise Vitamin B6 Schweißausbrüche lindern kann (17).

Die Einnahme von Vitamin D kann ebenfalls dazu beitragen, Beschwerden in Wechseljahren zu lindern (18). Magnesium, Zink und Selen zählen zu den Mineralstoffen, bei denen ein Mangel häufig vorkommt (19-20). Darüber hinaus ist es wichtig, den Stoffwechsel mit ausreichend Flüssigkeit zu versorgen. Ein gutes Getränk ist Ingwer Tee, weil er den Kreislauf stärkt. Fast alle biochemischen Reaktionen im Körper benötigen Wasser für einen reibungslosen Ablauf.

Tagebuch über Beschwerden führen

Wenn Du in den Wechseljahren häufig an Schwindel und anderen Symptomen leidest, empfiehlt sich ein Beschwerdentagebuch. Auf diese Weise kannst Du genau nachverfolgen, wie sich Deine Beschwerden entwickeln. Dieses Tagebuch ist auch ein wichtiges Dokument für Deinen Besuch beim Arzt.

In der Hektik des Alltags vergessen wir oft, was uns noch vor ein paar Tagen stark bedrückt hat. Außerdem zählt Vergesslichkeit zu den typischen Symptomen der Wechseljahre, die auf hormonelle Schwankungen zurückzuführen sind (21).

Fazit: Schwindel in den Wechseljahren natürlich bekämpfen

Ein starker Kreislauf ist die beste Vorbeugung gegen Schwindelanfälle in den Wechseljahren. Mit mentalen Übungen und Sport kannst Du Dein Herz-Kreislauf-System wirksam stärken. Wichtig ist auch, auf eine gute Versorgung mit Nährstoffen zu achten. Bei lang anhaltendem Schwindel empfiehlt es sich, die Schwindelattacken mit einem Tagebuch zu dokumentieren. Das erleichtert es dem Arzt und Dir, Deine Beschwerden zu verstehen.

Quellenverzeichnis
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  2. Dieterich M. Dizziness. Neurologist. 2004 May;10(3):154-64. doi: 10.1097/01.nrl.0000126586.29463.c8. PMID: 15140275. (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15140275/)
  3. Furman JM, Cass SP. Benign paroxysmal positional vertigo. N Engl J Med. 1999 Nov 18;341(21):1590-6. doi: 10.1056/NEJM199911183412107. PMID: 10564690. (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/10564690/)
  4. Stanton M, Freeman AM. Vertigo. [Updated 2023 Mar 13]. In: StatPearls [Internet]. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; 2023 Jan-. (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK482356/)
  5. Araki K, Takeuchi R, Katada F, Fukutake T. Rotatory Vertigo Caused by a Small Hemorrhage in the Superior Temporal Gyrus. Intern Med. 2020 Dec 1;59(23):3067-3069. doi: 10.2169/internalmedicine.5112-20. Epub 2020 Aug 4. PMID: 32759590; PMCID: PMC7759698. (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7759698/)
  6. Morley Kotchen J, Kotchen TA. Impact of female hormones on blood pressure: review of potential mechanisms and clinical studies. Curr Hypertens Rep. 2003 Dec;5(6):505-12. doi: 10.1007/s11906-003-0059-0. PMID: 14594572. (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/14594572/)
  7. Qian S, Zhang X, Wang Y. Serum Estradiol Correlates With Benign Paroxysmal Positional Vertigo in Postmenopausal Women. Endocr Pract. 2022 Jul;28(7):673-677. doi: 10.1016/j.eprac.2022.04.001. Epub 2022 Apr 6. PMID: 35398289. (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35398289/)
  8. El Khiati R, Tighilet B, Besnard S, Chabbert C. Vestibular Disorders and Hormonal Dysregulations: State of the Art and Clinical Perspectives. Cells. 2023 Feb 18;12(4):656. doi: 10.3390/cells12040656. PMID: 36831323; PMCID: PMC9954452. (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC9954452/)
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  21. Conde DM, Verdade RC, Valadares ALR, Mella LFB, Pedro AO, Costa-Paiva L. Menopause and cognitive impairment: A narrative review of current knowledge. World J Psychiatry. 2021 Aug 19;11(8):412-428. doi: 10.5498/wjp.v11.i8.412. PMID: 34513605; PMCID: PMC8394691. (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34513605/)

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